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die Zahlungsanweisungen, die ich abzeichnen soll-
te, sowie einige Aussagen zum Abheften.«
Damit war sie offensichtlich entlassen. Melodie
nahm die Papiere entgegen und kehrte an ihren
eigenen Schreibtisch zurück. Jetzt hieß es, ihren
Herzschmerz zu vergessen und zur Tagesordnung
überzugehen.
»Ist alles in Ordnung mit dir, Liebes?« Richard blick-
te Melodie über den Tisch im Restaurant hinweg
besorgt an. Die beiden hatten sich hier zum Mittag-
essen getroffen. »Du scheinst heute irgendwie ne-
ben dir zu stehen.«
Im Stillen räumte Melodie ein, dass er Recht hat-
te. Sie war heute ungewöhnlich in sich gekehrt. Sie
brachte es einfach nicht fertig, sich lustig und ver-
gnügt zu geben, nachdem sie eine so schreckliche
Woche hinter sich hatte. Fast hatte sie das Gefühl,
innerlich abzusterben, während sie in Coles Ge-
genwart nach außen hin ein gleichgültiges Gebaren
zur Schau trug, um überhaupt den Tag zu überste-
hen. Ihre Nächte waren erfüllt von heißen Erinne-
rungen an die leidenschaftlichen Begegnungen mit
Cole. Abend für Abend schrieb sie sich ihre Sehn-
sucht in weiteren erotischen Briefen von der Seele,
die er nie zu lesen bekommen würde.
Was die Arbeit betraf, schien sie nach ihrem kur-
zen Ausflug in den Außendienst wieder zur Sekretä-
rin degradiert worden zu sein. Auch das trug we-
sentlich zu ihrer Frustration bei. Sie hatte nichts er-
reicht. Weder hatte sie Coles Herz erobert, noch
war es ihr gelungen, der Arbeit, die sie sich wünsch-
te, auch nur einen Schritt näher zu kommen.
»Ich bin okay«, log sie tapfer und zwang ein Lä-
cheln auf ihre Lippen. »Mir geht zurzeit nur eine
Menge durch den Kopf.«
»Ach?« Ihr Vater legte die Gabel auf den Teller
und tupfte sich den Mund mit der Serviette ab.
»Kann ich dir vielleicht helfen, Klarheit in deine Ge-
danken zu bringen?«
Melodie hatte sich ihrem Vater schon oft in ihrem
Leben anvertraut, und er hatte immer einen brauch-
baren Rat für sie parat gehabt. Doch diesmal war es
etwas anderes – sie konnte ihm unmöglich von ihrer
Beziehung mit Cole und dessen abrupten Ende er-
zählen. Zu ihrem eigenen und Coles Bestem. »Ich
glaube, es ist etwas, was sich von sich selbst erle-
digen wird, wenn du verstehst, was ich meine.«
»Natürlich.« Richard ergriff tröstend ihre Hand.
»Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, aber ich bin
erleichtert festzustellen, dass du wieder zur Norma-
lität zurückgekehrt bist.«
Trotz ihres Kummers musste Melodie lachen.
»Normalität? Was willst du damit sagen?«
»Nun, ich gebe zu, dass mir all die plötzlichen
Veränderungen an dir ziemliche Sorgen gemacht
haben. Ich gebe zu, dein Haarschnitt ist schick, und
es gefällt mir, was du heute anhast. Aber dennoch
habe ich den Eindruck, dass du dich selbst wieder-
gefunden hast und wieder mein kleines Mädchen
bist. Das ist vermutlich Cole zu verdanken.«
Cole? Was hatte der denn damit zu tun? Stirn-
runzelnd schob sie ihren Teller zur Seite, während
sie ein Gefühl des Unbehagens überkam. »Wor-
über, um alles in der Welt, redest du, Dad?«
Richard faltete die Hände auf dem Tisch und
senkte verlegen den Blick. »Ich muss gestehen,
dass ich fürchtete, du hättest dich so drastisch ver-
ändert, um irgendeinem Kerl zu gefallen. Meine
größte Sorge war, jemand könnte dich ausnutzen.
Also habe ich Cole gebeten, ein wenig auf dich Acht
zu geben.«
Melodie sog scharf den Atem ein. Das kam ja
immer schlimmer! Sie konnte kaum glauben, was
ihr Vater ihr da soeben eröffnet hatte, und doch er-
klärte es perfekt Coles Überfürsorge während der
vergangen zwei Wochen. Er hatte ihrem Vater ei-
nen Gefallen getan, hatte eine weitere Verpflichtung
übernommen. Abgesehen von den paar Malen, als
sie miteinander geschlafen hatten, war sie nichts
weiter als eine Art Job für ihn gewesen.
Jetzt hatte Melodie aber endgültig genug von all
den wohlmeinenden Männern in ihrem Leben!
»Weder du noch Cole braucht auf mich aufzu-
passen, Dad«, erklärte sie gelassener, als ihr zu
Mute war. Sie würde sich erst einmal ihren Vater
vorknöpfen und mit Cole später abrechnen. »Ich
führe seit Jahren ein selbstständiges Leben und
kann sehr gut auf mich allein aufpassen.«
»Ich kann mir einfach nicht helfen.« Sein Blick
bat um Verständnis für seine väterliche Fürsorge.
»Ich machte mir Sorgen um dich, und ich wusste,
dass ich Cole vertrauen kann, dafür zu sorgen, dass
du nicht in eine Situation gerätst, mit der du nicht
fertig wirst.«
Sie für ihren Teil hatte keine Probleme damit, mit
der Situation fertig zu werden. Es war Cole, der
derart zwischen seinen Bedürfnissen und seinem
selbst ernannten Ehrenkomplex hin- und hergeris-
sen war, dass er sich scheute, auch mal ein Risiko
einzugehen. Und es gefiel ihr gar nicht, dass die
beiden Männer, die sie am meisten liebte, über ih-
ren Kopf hinweg über ihr Leben bestimmten.
»Ich habe dich lieb, Dad, aber ich bin nicht mehr
länger dein kleines Mädchen.« Es wurde endlich
Zeit, das einmal deutlich auszusprechen. »Ich weiß,
nach Moms Tod hast du dein Bestes getan, mich
aufzuziehen, und du warst wirklich immer ein groß-
artiger Vater. Ich kann mich glücklich schätzen, ei-
nen so liebevollen, fürsorglichen Dad zu haben, der
für seine Tochter stets nur das Beste wollte. Aber
jetzt bin ich eine erwachsene Frau und brauche
meinen Freiraum, um mich weiterzuentwickeln, oh-
ne mich ständig eingeengt fühlen zu müssen.
Schluss mit dem ewigen Beschützen und Umsor-
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